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Musik-/CD-Tipp

Harpyie - Anima




1. Anima
2. Ambra
3. Schneeblind
4. Flieg
5. Rasputin
6. Totem
7. Von alten Eisen
8. Dynamit
9. Jagdfieber
10. Berserker
11. Löwenherz
12. Schöne neue Welt
13. Unter Geiern




Anima

Anima

Das Album wird eingeleitet durch einen Aufruf zum Kampf, durch einen
kraftvollen Text, der später durch gewaltige Musik untermalen wird. Das
Tier soll nicht länger Untertan des Menschen sein, auch nicht das Tier
in uns selbst.



Ambra

Nach einem melodischen Anfang steigert sich die Musik zu einem
harten-energischen Rhythmus mit dem der Walfang besungen wird und der
Wal auch als edles Tier aber eben auch sinnloses Opfer eines Menschen im
Rauschs gesehen wird. Musikalisch wird der Gesang passend begleitet,
mit den melodischen Zwischenstücken vom Anfang des Liedes.

Der Refrain wirkt wie ein verzweifeltes Gebet eines drogensüchtigen Walfängers.



Schneeblind

Auch das dritte Lied startet harmonisch, leicht verträumt und erneut
steigert sich die Musik zu einem harten Sound mit leichteren
Zwischenstücken.

Der verkrampfte Kampf als Erster an einem der Pole zu sein, wird
beschrieben und wieder drängte sich mir das Bild eines Süchtigen auf,
der nicht begriffen hat, wie sehr er von seiner Sucht, eben unbedingt
als Legende weiter zu leben, getrieben wird. Ist diese Sucht vielleicht
das Tier in uns, dass sich gegen uns erhoben hat?



Flieg

Energiegeladen, diesmal kein leichter Einstieg: der Menschheitstraum vom
Fliegen wird besungen und auch der Mut, der dazugehört sich wirklich in
die Lüfte zu begeben. In einer Liedzeile wird aber auch angedeutet,
dass der Kampf um wirklich zu fliegen auch ein Scheitern auf dem Boden
(der Tatsachen) bedeuten kann.

Der Refrain hat Ohrwurm-Qualitäten und wird mich bestimmt noch einige Zeit begleiten.



Rasputin

Rasputin ist eine durchaus schillernde Figur der russischen Geschichte,
aber wer weiß schon wirklich, wer dieser Sibirier war? Wie sein Name,
und damit seine Definition ist? Aufgrund mangeldner Russisch-Kentnisse
bleibt mir der Refrain verborgen, aber das macht durchaus den Reiz
dieses Liedes aus. Weiß man immer wer der andere ist, der mir
gegenübersitzt? Das muss keine Gefahr sein, nur ein interessanter
Gedanke, der durch das Lied angestoßen wird.

Der Rasputin dieses Liedes gab alles und „ihr mir den Rest“.



Totem

Wieder die ruhige Einstimmung, die sich rasch steigert; erstaunlich,
dass dieses Motiv nicht langweilig wird, sondern immer in einem anderen
musikalischen Kleid daher kommt. Diesmal gehört noch ein beschwörender
Singsang dazu und das Tier im Mensch wird etwas genauer beschrieben,
wenn das Gleichgewicht gestört wird, bricht es heraus, die Bestie, die
roh und triebhaft durch das Hexenwerk seinen Lauf nimmt.

Diese Lied beschreibt auf eine interessante Art und Weise wie sehr das Tier im Menschen verankert ist.



Von alten Eisen

Was ist, wenn Maschinen Gefühle entwickeln, menschliche Empfindungen?
Was ist wenn die menschlichen Roboter, dann nicht gut genug sind?

Eine mögliche Antwort liefert dieses Lied.



Dynamit

Auch der Erfinder, des Dynamits bekommt ein Lied. Hier wird das
beglückende einer Sprengung besungen. Das Herz der Welt besteht aus
Granit und das kann man locker weg sprengen. Wen interessiert es schon,
dass der Mensch (oder unsere innere Bestie) dann den Ast weg sprengt,
auf dem wir leben?

Irre und kraftvoller Gesang und harte Musik verpacken den menschlichen Wahnsinn auf eine hörenswerte Art und Weise.



Jagdfieber

Die Jagd wird als Spiel besungen, zumindest für den Jäger. Es geht dem
lyrischen Ich nur um den Kopf, um eine Trophäe und nicht um das
respektvolle Erlegen der Nahrung. Wieder sind nur die Triebe des Jägers
zu befriedigen oder die Triebe der Bestie in uns?



Berserker

Aggressiv und arrogant zeigt sich das lyrische Ich, als größtes
Raubtier, das auch die eigene Art nicht verschont. Dieser Rausch, der
das Töten initiiert, wird sehr passend mit der Musik gleichberechtigt
begleitet.



Löwenherz

Die zweigeteilte Kreatur, einerseits schwach, aber auch kraftvoll und
der Wunsch, dass das kleine schwache Wesen sich zu seinem aggressiven
Inneren bekennt. Auch hier ist die Musik wieder äußerst passend zum
Gesang.



Schöne neue Welt

Der Mensch, der seine eigene Welt zerstört hat und das zu dem Preis der
bisher besungenen Errungenschaften. Der letzte übrig gebliebene Mensch
versteht, dass sich etwas ändern muss und der Preis dafür ist der Mensch
selbst. Keiner kann sagen, dass er es nicht gewußt hat. Irgendwann hat
der Mensch den Kontakt zu seiner eigenen Natur verloren und ist aus dem
Gleichgewicht geraten.



Unter Geiern

Schwungvoll, tanzbar und auch etwas ekstatisch kommt dieses Bonuslied
daher und beschwört den Kampf bis zum Ende, auch wenn der Kampf nicht
gut enden kann. Es geht um die Frage, ob man Hase sein möchte oder ein
Bär um den letzten Kampf gemeinsam zu bestreiten.





Fazit

Alles in allem war dieses Album nicht das Erwartete: der Mensch ist
böse, das Tier ist gut, sondern die Errungenschaften der Menschheit
wurden einmal anders gesehen, den Preis, den sie gefordert haben und
auch immer noch fordern. Nicht die Fauna erhebt sich gegen uns sondern
wir gegen uns selbst und das wurde interessant umgesetzt.

Der Mensch ist aus dem Gleichgewicht geraten und fast jedes Lied besingt
eine menschliche Leistung als Ausdruck dieser Disharmonie.

Die Gestaltung des Albums hat ein, zwei kleinere Fehler, die das
Gesamtbild aber auf keinen Fall stören und wohl der künstlerischen
Freiheit geschuldet sind. Letztlich zeigt sich auch in der grafischen
Umsetzung, dass hier äußerst planvoll vorgegangen wurde. Die Musik, die
Texte und eben auch die optische Umsetzung bilden eine Einheit. Hier ist
nichts aus dem Gleichgewicht geraten.



Mitglieder:

- Alleo (Gesang)

- Mechthild (Geige)

- Pordargo (Gitarre)

- Jean (Bass)

- Kayran (Schlagzeug)



Genre: Folk Metal



Heimatstadt: Bad Oeyenhausen (NRW)


Gepostet von: Lori

Band Webseite: https://www.harpyien.de/

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